Deutsch-Französische Mahnung

Während Hollande und Gauck im Elsass den Schrecken des Ersten Weltkrieges am Tag der deutsch-französischen Kriegserklärung vor 100 Jahren gedenken, nutzte Putin den 1. August – den Tag der deutsch-russischen Kriegserklärung – dazu, Russlands immerwährendes Streben nach Frieden hervorzuheben und zu propagandieren, wie sehr Russland auch früher schon gegen seinen Willen in Kriege hineingezogen wurde. Russland wurde auch damals nicht gehört, als es den serbisch-österreichischen Konflikt friedlich habe lösen wollen – es blieb letztlich nie etwas anderes übrig, als in die Kriegshandlungen einzusteigen, um den slawischen Brüdern zu helfen (http://www.sueddeutsche.de/politik/mahnung-von-putin-europas-friede-ist-zerbrechlich-1.2074264).

Der Beginn des Ersten Weltkrieges lässt also die Welt daran denken, wieviel Leid und Tod Kriege schon immer über den Menschen gebracht haben und wieviele Perspektiven auf der anderen Seite der Friede für die Menschen eröffnen könnte.

Währenddessen toben Kriege im Gaza-Streifen, im Osten der Ukraine, in Syrien und im Irak. Auch in Libyen flammen erneut Kämpfe zwischen bewaffneten Milizen auf. Weitere Konfliktherde köcheln mehr oder weniger von der Weltgemeinschaft unbeachtet vor sich hin.

Doch wie kann dieser Hass besiegt werden und Friede einkehren in all den Gebieten? Nicht nur jeder einzelne fühlt sich machtlos, auch die Politik scheint vollkommen hilflos angesichts all der menschlichen Grausamkeit. Von allein wird in keinem der Krisengebiete eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen sein. Voraussetzung für Verhandlungen ist vor allem in einem ersten Schritt eine andauernde Waffenruhe. Diese wird ohne verstärkte internationale Präsenz in den entsprechenden Gebieten nicht umzusetzen sein. Solange zudem Gelder und Rüstung von westlichen Wirtschaftsnationen permanent in die Krisengebiete fließen, wird hier kein Ende der Gewalthandlungen in Sicht sein.

Doch erst mit einem Ende der direkten Kampfhandlungen wird über weitere befriedende Maßnahmen zu verhandeln sein. Ein Ende jeglicher struktureller Gewalt – und das bedeutet natürlich vor allem ein Machtverlust der Regierung gegenüber dem Volk – wäre dann ein langfristiges Ziel. Wahrscheinlich wird es ein Wunschtraum bleiben.

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Mut zum Frieden

„Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut!“ sagte Papst Franziskus beim gestriegen gemeinsamen Gebet der Weltreligionen. Er hatte zwei Wochen vorher die Präsidenten Abbas und Peres in den Vatikan eingeladen, die dieser Einladung auch sofort folgten und sich nun gestern in den Gärten des Vatikan zusammenfanden.

Benjamin Netanjahu nahm nicht teil – denn, so sagte er, ein Gebet würde keine Sicherheit herstellen. Ihm liegt dagegen viel daran, weitere Siedlungen zu bauen. Sicherlich steht er stark unter dem Druck der Ultraorthodoxen, die bisher jede Friedensbemühung von israelischer Seite zunichte gemacht hatten – inwiefern er selbst die Sicht jener teilt, ist nicht unbedingt klar. Doch diese Ideologie kämpft seit Jahrzehnten mit aller Macht gegen eine Zwei-Staaten-Lösung und lässt so einen Frieden in der Region nicht zu. Sie ist auch für den Tod von Yitzchak Rabin verantwortlich, der den Friedensnobelpreis erhielt und Minuten vor seiner Ermordung am 4. November 1995 auf dem Platz der Könige Israels eine Rede gehalten hatte, die dem Aufruf des heutigen Papstes sehr ähnlich ist:

Ich möchte gerne jedem einzelnen von Euch danken, der heute hierher gekommen ist, um für Frieden zu demonstrieren und gegen Gewalt. Diese Regierung, der ich gemeinsam mit meinem Freund Shimon Peres das Privileg habe, vorzustehen, hat sich entschieden, dem Frieden eine Chance zu geben – einem Frieden, der die meisten Probleme Israels lösen wird. … Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war.

Das gestrige Gebet stand wieder im Zeichen des tiefen Wunsches der palästinensischen und israelischen Bürger, im Frieden zu leben. Es wurden Texte aus dem Alten und dem Neuen Testament gelesen und Texte aus dem Koran. Anwesend waren auch Immame, Rabbiner und Orthodoxe. Im Anschluss pflanzten sie gemeinsam einen Olivenbaum.

Politisches Gewicht hat dieses Treffen nicht, hat doch Abbas nicht unbedingt starken Einfluss auf alle Palästinenser, insbesondere auf die Hamas, die ebenfalls mit allen Mitteln versucht, den Staat Israel zu vernichten. Zudem endet Peres‘ Amtszeit in diesen Tagen nach langen Jahrzehnten des militärischen und politischen Kampfes, davon viele Jahre an der Seite von Yitzchak Rabin.

Die Bilder jedoch, die um die Welt gehen – die Bilder der brüderlichen Umarmung, des gemeinsamen Gebetes, des gemeinsam gepflanzten Friedensbaumes und die Worte des Bittens um Frieden, haben ein Gewicht – ich hoffe inständig, dass dieses Gewicht deutlich messbar bleibt.