Lohn der Arbeit – was ist uns gutes Essen wert?

Das Thema Mindestlohn wird immer wieder heftig diskutiert. Die große Koalition hat nun in ihren Koalitionsverhandlungen im November 2013 einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro vereinbart. Kritiker sehen hier Arbeitsplätze in Gefahr, auch im weltweiten Wettbewerb droht Deutschland möglicherweise ein paar Plätze zu sinken, da hier ausgeübte Arbeit aus vielen Gründen bereits jetzt schon teurer ist und nun noch teurer wird.

Dies mag sein – sicherlich ist der Mindestlohn ein wirtschaftlich komplexes Gebilde und dessen Einführung wird bestimmte Konsequenzen haben, die heute noch nicht vollständig zu überblicken sind. Ihn aus diesen Gründen zu verhindern bedeutet allerdings, die Spirale der Negierung von Werthaftigkeit – Wert der Arbeitskraft, Wert von Dingen, Wert von Nahrung und Genuss und letztlich der Wert des Lebens überhaupt – weiter voranzutreiben. Ein Mensch, der noch vor dem ersten Hahnenschrei sein Bett verlässt, um uns unsere Zeitung zu bringen, sollte dafür nicht nur mit ein paar wenigen Euro abgespeist werden. Friseure, die unsere Köpfe massieren und anschließend unser Erscheinungsbild so verbessern, dass wir wieder ohne Unbehagen in den Spiegel blicken können, sind ebenfalls mit ihrem bisherigen Lohn deutlich unterbezahlt. Sanitär- und Heizungshandwerker – ohne die wir frieren und mit stinkenden Abwasseranlagen leben müssten, werden auch für ihre Arbeit nicht adäquat bezahlt.

Heute nun wurde die Diskussion neu entfacht: Bauern warnen vor höheren Gemüsepreisen. Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa wurden bisher deutlich billiger angestellt, als dies in Zukunft möglich sein wird. Die höheren Kosten werden sich auf den Kaufpreis auswirken. Und das ist auch richtig so. Durch den Preisdruck sind viele Bauern gezwungen, nicht nur Massentierhaltung durchzusetzen, sondern auch Pfanzenschutz- und Düngemittel einzusetzen, die nicht nur für Parasiten und Insekten lebensgefährlich, sondern langfristig auch für den Menschen zumindest höchst gesundheitsgefährdend sind. Die Lohnarbeiter, der unter teilweise sehr unangenehmen Bedingungen arbeiten müssen, kommen somit über Haut und Schleimhäute massiv in Kontakt mit diesen Giftstoffen – später dann die Verbraucher, die das Gemüse aber zumindest waschen können.

Es gibt ein schönes Bild über den Wert, den Deutsche dem Essen beimessen. Verglichen wird in diesem Bild Deutschland und Frankreich. Während ein Franzose mit klapprigem und rostigem Citroen vor das 5-Sterne-Restaurant fährt, um fein zu essen, fährt der Deutsche mit seinem neuen und gut polierten Mercedes zu McDonalds.

Primär können wir uns also die Frage stellen, was uns unser Körper wert ist, wenn wir ihn mit Billigfleisch und vergiftetem Gemüse nähren und wir für den billigen Preis in Kauf nehmen, dass diejenigen, die unsere Nahrung ernten und verarbeiten, mit einem Billiglohn abgespeist werden. Letztlich ist die Frage aber eine Grundsätzliche: Welchen Wert messen wir dem Menschen, seiner Arbeits- und Denkleistung und den Erzeugnissen dieser Arbeit bei?