Santo subito

Ein großer Tag für die Kirche war es, der gestrige Sonntag. Zwei Päpste, die die Kirche im letzten Jahrhundert geführt haben, wurden heiliggesprochen – in Anwesenheit von zwei noch lebenden Päpsten. Der eine Papst – Johannes XXIII – war derjenige, der mit Leidenschaft hinter einer der grundlegendsten Reformen der Kirche stand, die jetzt unter Franziskus möglicherweise fortgeführt wird. Der andere – Johannes Paul II – gilt als der Papst, der sein Amt auch politisch geführt hat und zum Ende des Kalten Krieges maßgeblich beigetragen hat. Von vielen wird er verehrt, sicherlich zu Recht. Gleichzeitig sehen viele in ihm einen, der die Kirche von seinen Gläubigen entfernt hat, weil er an Traditionen festhielt, die mit der heutigen Welt nicht mehr unbedingt zusammen passten.

Voraussetzung für eine Heiligsprechung ist ein Martyrium oder eine hohe Tugendhaftigkeit des Heiligzusprechenden. Falls dieser kein Martyrium durchlitten hat, sollte er zwei Wunder vorweisen können.  Johannes Paul II werden tatsächlich zwei Wunder zugeschrieben, Johannes XXIII nur eines – Franziskus sprach ihn dennoch heilig, denn er hat eine neue Epoche der Kirchengeschichte eingeläutet, indem er sowohl sein Herz als auch die Kirchenportale weit für die Gläubigen geöffnet hat und Reformen auf den Weg gebracht hat, die die Menschen und die Kirche einander nähergebracht haben.

Der Begriff „heilig“ an sich bedeutet „etwas Verehrungswürdiges, Besonderes“ und wird letztlich immer in religiösem Zusammenhang verwendet. Inwiefern dies bei den beiden Kirchenmännern gilt, hat für die Kirche der jetzige Papst Franzsiskus beantwortet. Ob dies für jeden persönlich ebenso zu sehen ist, kann nur der einzelne mit seinem Herzen klären. Ich persönlich kann vor allem einer der beiden Heiligsprechungen nicht mit vollem Herzen zustimmen, da es zum Einen im letzten Jahrhundert vor allem unter ebendiesem Papst sehr viele Heiligsprechungen gab und eine solche dann nicht mehr zwingend etwas Besonderes ist – und zum Anderen kann ich für mich dieser Kanonisierung nur wenig abgewinnen, da für mich in dieser Zeit Kirche und Glaube wenig lebbar schien und immer weniger Fragen, die das Leben an mich herangetragen hatte, durch den Glauben und die Kirche beantwortet wurden. Streng genommen ist dies zwar kein Grund für bzw. gegen eine Heiligsprechung, aber Sinn ergibt sie in meinen Augen nur dann, wenn ein Mensch seinen Glauben so lebt, dass er ein Feuer entzündet, welches Gläubige dazu ermutigt, an einem Ort mitzubauen, an dem Schwache und Hilfsbedürftige Hilfe erhalten und Fragende Antworten finden, ohne dabei ein starres Regelwerk vorgesetzt zu bekommen, welches eher verzweifeln lässt als das es Mut macht.

Vielleicht aber ist dieser Papst Johannes Paul II auch wichtig gewesen dafür, dass nun etwas Neues beginnen kann – ohne ihn wäre vielleicht die Frage nie gestellt worden, was Kirche im dritten Jahrtausend sein kann und sollte. Und ohne ihn hätten auch die Gläubigen selbst daran nicht mitbauen können.