Butter bei die Fische

„Die Mär vom Meer“ betitelte die SZ vom 3. Mai 2014 einen ihrer Hauptartikel und geht darin auf neueste Forschungen ein, die den 40jährigen Mythos vom gesunden Fischfett widerlegen. Die durchgeführten Studien hätten viel zu wenig Daten zur Verfügung gehabt – sie sind somit nicht repräsentativ. Zur Vorbeugung von Herzkrankheiten hilft es also nicht, Fischölkapseln zu schlucken oder viel Omega-3-Fisch zu essen – es sind auch hier letztlich die altbewährten und generell gesunden Vorbeugemaßnahmen, die effektiv sind: viel Bewegung, abwechslungsreiche Kost und – Gelassenheit!

Wir haben also nun eine Regel weniger zu beachten und müssen nicht mehr neben all dem Sport, der Ballaststoffreichen Ernährung, der Meditation, dem Schritte und Punkte zählen, dem Einschränken unseres Alkoholgenusses, dem Sparen und Nicht-Rauchen auch noch zwingend 2-3 mal pro Woche fetten Fisch essen – wie lange diese Erkenntnis bleibt, bis sie von einer neuen Regel abgelöst wird, werden wir sehen.

Dabei ist es wahrscheinlich vor allem die Gelassenheit, die einen wesentlichen Faktor für die Gesundheit und das Wohlbefinden ausmacht – bei all unserer Selbstoptimierung übersehen wir nämlich einen sehr wichtigen Punkt: Wir haben unser Leben und unsere Gesundheit nicht vollumfänglich im Griff – vielmehr ist es ein Geschenk, dass wir überhaupt leben und auch, wie lange uns unser Leben erhalten bleibt. Natürlich können wir mit einer gesunden Lebensweise dazu beitragen, dass wir lange gesund bleiben. Aber es ist nicht (ausschließlich) unser Verdienst, wenn uns unsere Gesundheit und Fitneß lange erhalten bleibt und wir lange leben – und, im Umkehrschluss: Es ist nicht unsere „Schuld“, wenn dem nicht so ist.

Diese Sichtweise ist nämlich fatal: Diejenigen, die krank sind und alt und nicht mehr fit genug, haben sich dann nicht genug bemüht, sie haben sich selbst nicht genug optimiert, sie sind faul und ohne Disziplin.

Der Schritt dorthin, somit Kranken ihren Lebenswert abzusprechen, ist dann nicht mehr weit.

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