Kleine Frau – was nun?

Europa hat gewählt. Zur Wahl standen in Deutschland 25 Parteien mit ihren Spitzenkandidaten. Die CDU konnte sich schon vor der Wahl nicht wirklich auf einen gemeinsamen europäischen Spitzenkandidaten einigen und schickte daher David McAllister ins Rennen. Europaweit jedoch war Jean-Claude Juncker der Spitzenkandidat der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten). Eine klare Linie fehlte also von Vornherein – und wieder hat Angela Merkel es verpasst, eindeutig Position zu beziehen.

Diese Haltung – als würde sie hoffen, dass viele Probleme sich durch aggressives Zuwarten von selbst erledigen – holt sie nun wieder von hinten ein. Denn nun steckt sie fest in dem Dilemma, eine Entscheidung treffen zu müssen, mit der sie unter allen Umständen jemanden verprellt. Entweder die Parlamentarier, die sich bereits auf Juncker geeinigt hatten oder David Cameron, der vor der schwierigen Aufgabe steht, sein Land in der Europa-Frage wieder „auf Kurs“ zu bringen.

Es bringt natürlich nicht viel, nun zu sagen, das hätte man vorher klären müssen – ärgerlich ist es aber trotzdem. Denn all diese Geschichten sind für die Europa-Skeptiker erneute Beweise dafür, dass Europa sich nicht einigen kann und in ihren Augen daher der Weg des Staaten-Bundes nicht der Richtige sei.

Es steht außer Frage, dass die einfachen Antworten, die die Rechtspopulisten bieten, zu kurz gedacht sind und keine Lösungen für die Probleme Europas sind. Aber es steht auch außer Frage, dass wir eine klare Linie und Haltung brauchen, um tatsächliche und praktikable Lösungen zu finden.