Privatfernsehen

Privatfernsehen gibt es in Deutschland – nach dem Beispiel des Commercial TV in den USA – seit 1955, allerdings war es damals noch nicht sehr weit verbreitet. Wirklich los ging es Mitte der 1980er Jahre und entwickelte sich bis heute zu einer sehr bunten Mischung. Festlegen muss ich ein Privatfernseh-Betreiber beim Start darauf, ob er ein Voll- oder ein Spartenprogramm anbietet – mittlerweile gibt es auch hier ein immer größeres Angebot an Spartensendern, ähnlich wie bei Zeitschriften. Der Nachrichten-Interessierte kann also permanent Nachrichten sehen, der Sportinteressierte den Sport verfolgen und ein Comedy-Fan kann sich durch alle SitComs dieser Welt fräsen. Jeder weiss also, woran er ist, wenn er das Fernsehen einschaltet. Ansonsten unterscheidet sich das Privatfernsehen offiziell vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das letztlich immer ein Vollprogramm anbietet, jedoch vor allem in zwei Punkten:

Zum einen finanziert es sich nicht über öffentliche Mittel – in dem Fall die Rundfunkgebühren, sondern durch Werbemittel oder mittels Abonnements (Pay-TV).

Zum anderen unterliegt es keinem Bildungsauftrag.

Inwiefern das öffentlich-rechtliche Fernsehen seinem Bildungsauftrag tatsächlich nachkommt, sei dahingestellt. Mit Bildungsauftrag ist natürlich vor allem die Vermittlung von Wissen und Kultur gemeint, genauso gehört aber auch die Bildung eines Verständnisses für soziale, kulturelle und geschichtliche Zusammenhänge – kurz, eine religiöse und politische Bildung. Religiöse Bildung mag auf den ersten Blick für jeden einzelnen von extrem unterschiedlicher Wichtigkeit sein. Das ist sie jedoch nicht, denn wir leben in einem Land und auf einem Kontinent, der zutiefst geprägt ist von seinen religiösen Werten und seinem Menschenbild. Im Zusammenhang mit Film und Fernsehen ist jedoch nicht nur die Grundlage unseres europäischen Werteverständnisses wichtig, sondern auch die unzähligen intertextuellen Bezüge auf Juden- und Christentum sowie Kirchengeschichte oder auf die Aufklärung und damit verbundene Auseinandersetzungen, von denen nahezu alle Filme geprägt sind. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, ist ein gewisses Grundwissen hilfreich.

RTL wirbt nun – in der Karwoche 2014 – damit, ausgerechnet am Karfreitag zum ersten Mal den Disney-Klassiker „Dschungelbuch“ im Free-TV auszustrahlen. Und nicht nur das – der ganze Karfreitag ist ein einziger Disneytag. Hallelujah!