Blogstöckchen: Intime Geständnisse

Carmen von Unamibuecher hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen und jetzt muss ich sieben „Geheimnisse“ von mir preisgeben. Eigentlich bin ich für die meisten wahrscheinlich lesbar wie ein offenes Buch, aber vielleicht fallen mir doch ein paar intime Geständnisse ein.

1. Ich drücke mich immer um Sachen, die ich nicht kann (z.B. rückwärts links einparken. Oder Seiten verlinken (hier oben habe ich einfach kopiert und geändert und es hat dann doch geklappt)…

2. Viele denken von mir, ich sei ausgeglichen. Dabei kann ich ziemlich ausflippen. Auch bei Sachen, die total unwichtig sind (wenn mir mein Schlüssel runterfällt in dem Moment, in dem ich ihn ins Schlüsselloch stecken will. Oder wenn mein Drucker PDFs druckt, obwohl ich ihm das nie erlaubt habe. Oder wenn mein Computer etwas tut, was ihm nicht gesagt wurde.)

3. Mir gefällt Roxette und ich war sieben Mal in „Der mit dem Wolf tanzt“.

4. Ich wollte eigentlich Ärztin werden, aber vor Chemie habe ich mich immer gedrückt (s. Punkt 1), deswegen hätte ich das Physikum nie geschafft.

5. Als Kind habe ich so getan, als könne ich Französisch und habe laut vor mich hin geredet und war der tiefen Überzeugung, dass alle denken, dass ich wirklich Französisch spreche.

6. Ich HASSE Sätze, die folgendermaßen lauten: „Ich habe ja gar nichts gegen …! Ich habe Freunde, die sind …! ABER…“

7. Ich bin manchmal gar nicht so überzeugt von mir selbst und versuche das mit vorgetäuschtem Selbstbewusstsein zu überspielen.

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Das Blogstöckchen reiche ich weiter und bin gespannt, was wir von diesen BloggerInnen erfahren – zwei davon habe ich erst vor kurzem entdeckt und fand beispielsweise den Bericht über Flüchtlinge in Deutschland (http://ichlebejetzt.com/fluechtling-in-deutschland/) und über Gedanken zu Pegida (http://annaschmidt-berlin.com/2014/12/22/unter-der-mutze-versteckt/) so interessant, dass diese beiden nun gleich auf meiner Liste landen;-):

WHAT THE MUC
NaLos_MehrBlick
Fräulein im Glück
Annaschmidt-Berlin
Ich lebe! Jetzt!

Hier die Regeln für die Teilnahme am Blogstöckchen “One Lovely Award”:

Schreibe sieben frei gewählte Fakten über Dich, verlinke auf das Blog, das Dich nominiert hat und reiche das Blogstöckchen schließlich weiter an (+/-) 7 Blogs.

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Satire

Was darf Satire – und wie dürfen Reaktionen auf sie ausfallen?

Die erste Frage muss differenziert, die zweite kann relativ leicht beantwortet werden. Denn auf Satire SOLL reagiert werden, neue Diskurse SOLLEN eröffnet werden. Es darf gestritten werden, ja sogar bis vor Gericht. Getötet werden hingegen darf nicht.

Doch was darf Satire? Satire möchte – bereits bei Horaz und Lucilius und ihren Kollegen – laut etymologischem Wörterbuch „menschliche Unzulänglichkeiten dem verständnisvollen Schmunzeln des Lesers preisgeben“, aber auch „Kritik an den verwerflichen Auswüchsen menschlicher Gesinnung“ ausüben. Sie möchte menschliche Fehler verspotten und gesellschaftliche Missstände kritisieren.

Satire, die unsinnige Aussagen von CSU-Politikern zur Asylpolitik aufgreift und durch Ironie und Übertreibung erst recht ins Lächerliche zieht, tut genau das: Sie nimmt die menschlichen Unzulänglichkeiten einer zu einseitig genutzten Denkrichtung auf und übt damit Kritik an den verwerflichen Auswüchsen einer auf Wählerstimmen am rechten Rand fischenden menschlichen Gesinnung.

Satire, die auf das dogmatische Festhalten an veralteten und verkrusteten Vorschriften der Kirche – wie beispielsweise dem Ausschluss wiederverheirateter Geschiedener von der Kommunion, dem Zölibat oder auch der Empfängnis-Verhütung angesichts der massiven Verbreitung von Krankheiten – abzielt, tut ebenfalls genau das: Sie übt Kritik daran, alte Vorschriften unreflektiert zu übernehmen und die Anerkennung des gesellschaftlichen Wandels aus kirchenpolitischen Entscheidungen herauszuhalten.

Auch Satire, die die fundamentalistische und fanatische wortwörtliche Auslegung von Bibel, Koran oder Thora aufgreift und damit kreationistische, islamistische oder ultraorthodoxe Weltbilder in Frage stellt, bleibt der Definition von Satire treu.

Wenn jedoch Satire zentrale Elemente des jeweiligen Glaubens karikiert, wie beispielsweise die Kreuzigung Jesu oder Mohammeds Offenbarung des Wortes Gottes durch den Koran; oder Gott und seine Propheten selbst (wie beispielsweise in der Darstellung Mohammeds mit einem Turban, der eine Bombe ist), dann wird es schwierig. Wenn also nicht mehr menschliche Gesinnungen und Glaubensverwirrungen kritisiert werden, sondern der Glaube selbst in seinem Innersten lächerlich gemacht wird, dann überschreitet Satire eine Grenze. Denn jeder Mensch ist frei, zu glauben, an was er will – und diese Freiheit ist ein elementares Menschenrecht.

Vor der Veröffentlichung einer Karikatur, Satire oder einem sonstwie ironischem Text sollte also genau reflektiert und kritisch überprüft werden, ob sie sich noch innerhalb dieser Grenze bewegt. Dies hat zwei grundlegende Vorteile: Zum einen wird kein Mensch in seinen Menschenrechten verletzt. Zum anderen kann Satire innerhalb der Grenzen mehr ausrichten: Sie kann bissig und ironisch viel tiefer bohren, weil sie den Betrachter oder Leser nicht sofort die Schranken dicht machen lässt, sondern viel mehr zum Nachdenken anregt und Überholtes zum Wanken bringt.

Unsicherheit

„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“
Joachim Ringelnatz

Interessant am Wort „Unsicherheit“ ist, dass es voraussetzt, dass es Sicherheit gäbe. Wahr ist, dass man sich sicher fühlen kann. Und auch das Gegenteil ist möglich – wie wir es momentan in vielen Städten und bei vielen Menschen beobachten können. Allerdings ist es irrenführend, wenn wir meinen, jemand anderer (der Staat, eine andere Asylpolitik, eine spezielle Partei etc.) könne für nachhaltige Sicherheit sorgen – vielmehr ist man selbst dafür verantwortlich, wie man mit Unsicherheit und im Speziellen mit seiner eigenen ungewissen Zukunft am Besten umzugehen lernt.

Wir geben uns einer Fehlmeinung hin, wenn wir denken, dass sicher ist, was messbar ist und unsicher macht, was (noch) nicht bemessen wurde. Und weil es davon so vieles gibt, wird verzweifelt versucht, mehr und mehr zu berechnen und damit eine Sicherheit vorzutäuschen, die es gar nicht gibt. Die Welt wird nicht sicherer – sie wird nur berechenbarer, und auch das nur vermeintlich, denn: Können wir uns sicher sein, dass der der Rechnung zugrundeliegende Algorithmus stimmt und alle noch so unwichtigen Faktoren auch berücksichtigt wurden? Und wenn ja, für wie lange gilt diese Sicherheit? Wann läuft die Frist ab, an der neue Faktoren zu einer neuen Berechnung hätten führen müssen?

Vor lauter Daten, die wir sammeln, bereitstellen und wieder neu zusammenfügen vergessen wir, zu leben. Und vor lauter Angst, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte, dass wir einen Faktor für die Berechnung der Prognose vergessen haben könnten und unsere Zukunft sich anders entwickeln könnte als geplant, übersehen wir die Realitäten und nehmen das HEUTE gar nicht mehr wahr. Die Realität ist, dass wir in einem freien Land leben, dass wir Perspektiven haben, dass wir verschiedenste Kulturen kennenlernen können, dass wir Lese- und Bewegungsfreiheit haben und dass wir frei entscheiden können, wie wir leben möchten – und dass wir nicht sicher wissen, was morgen sein wird.

Vor lauter Daten, die wir sammeln, bereitstellen und wieder neu zusammenfügen vergessen wir den wichtigsten Faktor für unsere Berechnungen: Wir sind Menschen – und Menschen können aufgrund des Schlagens eines Schmetterlingsflügels plötzlich anders reagieren als vorgesehen – und damit jeden einzelnen Aspekt unserer Planung umwerfen.

Unsicherheit kann gefährlich sein. Sie kann aber auch überraschend sein und völlig neue Türen öffnen – und den bisherigen Horizont zum Kippen bringen.