Wenn wissenschaftliche Ergebnisse nicht passen, sind die Wissenschaftler Schuld!

Es ist bereits das zweite Mal in kurzer Zeit, dass Mitglieder der CSU aus wissenschaftlichen Studien interessante Schlüsse ziehen. Aktuell geht es um die PKW-Maut, bei der der wissenschaftliche Dienst des Bundestages zu dem Schluss kam, dass die Maut rechtswidrig sei (http://www.sueddeutsche.de/auto/verstoss-gegen-europarecht-bundestagsexperten-nennen-dobrindts-pkw-maut-diskriminierend-1.2074419). Allerdings sei – so die CSU – das Gutachten schlecht durchgeführt und daher nicht richtig. CSU-Generalsekretär Scheuer plädiert sogar dafür, die Gutachter nicht mehr für den wissenschafltichen Dienst arbeiten zu lassen.

Ein ähnlicher Fall war letzte Woche die Diskussion um das Betreuungsgeld. Hier hatten Wissenschaftler des Deutschen Jugendinstituts und der Universität Dortmund mehr als 100.000 Eltern mit Kindern unter drei Jahren befragt. Sie hatten dabei herausgefunden, dass die Inanspruchnahme des Betreuungsgeldes bei sozial benachteiligten Familien oftmals dazu führt, dass deren Kindern das staatliche Angebot der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung entgehen würde. In der Folge könnten deren Chancen im späteren Schul- und Berufsleben dadurch eingeschränkt sein.

Auch hierzu kam von Seiten der Europaabgeordneten Niebler (CSU) in einem Interview mit dem Deutschlandfunk die Anklage, dass wissenschaftliche Studien doch gar nicht wiedergeben könnten, was tatsächlich dem Alltag der Familien entspräche (http://www.deutschlandfunk.de/betreuungsgeld-rueckmeldungen-der-familien-sind-positiv.694.de.html?dram:article_id=292964). Angelika Nieber spricht in dem Interview davon, dass sie mit vielen Menschen gesprochen hätte, die das Betreuungsgeld sehr hilfreich fänden. Dies wäre im Gegensatz zu einer wissenschafltichen Untersuchung Beweis genug, dass das Betreuungsgeld die richtige Entscheidung wäre.

Eine solche Verweigerungshaltung gegenüber Fakten, die – im Falle der frühkindlichen Bildung – Weichen stellen könnten auf dem Wege zu einer tatsächlichen Chancengleichheit oder die Fakten, die die geplante Maut als eine Konterkarierung einer einheitlichen europäischen Gesetzgebung entlarven ist wirklich erschreckend. Nicht die Wissenschaftler sollten ausgewechselt werden, sondern die Politiker, die deren Forschungen nicht anerkennen.

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