Gratwanderung?

Man kann schon nicht mehr von einer Gratwanderung sprechen, wenn die Grenze zwischen differenzierter und reflektierter Kritik an Israels Politik längst weit überschritten ist. Ausschlaggebend für die aktuelle und teilweise sehr aufgebrachte Diskussion in allen Medien sind die Demonstrationen gegen den sich zuspitzenden Gaza-Konflikt, die in vielen Ländern statt finden. Hier kochte auch in Deutschland in den letzten Tagen immer wieder in die Parolen gemischter starker Antisemitismus auf – die Polizei stand mehr oder weniger hilf- und tatenlos daneben (siehe unter anderem: http://www.sueddeutsche.de/politik/demos-gegen-israel-gauck-und-merkel-verurteilen-antisemitische-proteste-1.2060812).

Die Lage im Nahen Osten ist – wie schon seit Jahrzehnten – höchst komplex und so fällt es auch zunehmend schwerer, darüber sachlich und bedacht zu diskutieren. Dennoch ist es zutiefst erschreckend, wenn solch starker Haß losbricht, dass beispielsweise die Süddeutsche Zeitung ihre Diskussionsfunktion unter sämtlichen Artikeln mit Israelbezug abschalten muss – nicht die Menge an Kommentaren kann dafür ausschlaggebend gewesen sein (diese ist auch bei anderen Themen groß), sondern die Art der Kommentare.

Alle Fakten zu dem Konflikt zu bedenken ist letztlich fast nicht möglich, aber einige wenige Fakten sind zu nennen und ganz grundsätzlich zu beachten:

  • Kritik an politischen Vorgängen ist gut und notwendig – die Kritik auf eine gesamte Menschengruppe oder Ethnie (sofern man bei Israelis davon überhaupt sprechen kann) zu übertragen, geht grundsätzlich nicht.
  • An Konflikten jedweder Art ist nie nur eine Seite allein schuldig.
  • Speziell im Nahostkonflikt ist eine Verallgemeinerung noch problematischer als in allen anderen Fällen: denn innerhalb der jeweiligen Menschengruppen sind die Ansichten und Forderungen so unterschiedlich wie kaum wo anders. In Israel lebende orthodoxe, ultraorthodoxe, gläubige oder nicht-gläubige Juden haben so unterschiedliche Auffassungen von ihrem Land und der israelischen Politik wie auf der anderen Seite Hamas, Fatah, Sozialisten und palästinensische Bürger ohne politische Ausrichtung.
  • Antisemitismus ist grundsätzlich ein Tabu, genau wie jedwede andere Form der Diskriminierung von Menschen.
  • Bevor man polemische Parolen schreit bedarf es der Bildung einer Meinung und dazu gehört, sich wirklich zu informieren. In dem Fall ist die benötigte Informationsmenge natürlich so unermesslich groß, dass die Zeit für eine umfassende Meinungsbildung bei kaum jemandem in ausreichendem Maße vorhanden sein wird – sie darf aber dann auch nicht für polemische Parolen vorhanden sein!

Was wir unter anderem tun können ist, Menschenrechtsvereinigungen und humanitäre Hilfsorganisationen zu unterstützen – und an den Orten, an denen wir leben, unserer Menschenwürde gemäß miteinander umgehen!

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