Schall und Rauch

Das Landgericht Düsseldorf gab gestern, am 26. Juni 2014, einer Vermieterin Recht, die einem langjährigen Mieter wegen seiner die anderen Hausbewohner quälenden Rauchbelästigung gekündigt hatte. Er habe trotz mehrmaliger Aufforderung nicht per Fenster gelüftet, sondern zum Treppenhaus hinaus.

Jeder kann sich vorstellen, wie der Hausflur riecht, wenn ein Mieter hauptsächlich in diesen „hineinlüftet“ – dass dies unangenehm ist, ist keine Frage. Zudem scheint der betroffene Mieter eine relativ lang anhaltende Sturheit an den Tag gelegt zu haben, wodurch eine nachbarschaftliche Einigung nicht zu erzielen war. Eine pädagogische Maßregelung wie dieses Gerichtsurteil scheint daher gerechtfertigt. Allerdings steht der Verdacht im Raum, dass die Kündigung nicht nur aufgrund des Rauchens erfolgte, sondern zudem für die Vermieterin den Vorteil bringt, den Wohnraum anderweitig und damit gewinnbringender zu vermieten.

Mir erscheint aber ein anderer Aspekt wichtiger: Wir leben in einer Gesellschaft, die in den letzten Jahrzehnten zunehmend fordert und fördert, dass jeder sich möglichst selbst um sein seelisches und körperliches Heil zu kümmern habe und dabei wenig Gelegenheit bleibt, sich auch um seine Mitmenschen zu kümmern. Gleichzeitig leben wir in der Annahme, dass das Leben gesetzlich so geregelt zu sein hat, dass unsere Rechte auch gewahrt bleiben. Wenn nun jemand eine vermeintliche Pflicht nicht einhält und damit das vermeintliche Recht eines anderen beschneidet, wird gefordert, ein neues Gesetz zu schaffen, welches dazu zwingt, diese Pflichten einzuhalten.

Vielleicht ist die Frage aber eine ganz andere: Sollten wir uns nicht wieder mehr darüber bewusst werden, dass eine Gesellschaft dauerhaft nur dann für alle gewinnbringend funktionieren kann, wenn jeder als Zoon politicon, also als soziales Lebewesen innerhalb einer Gemeinschaft handelt und lebt? Dies aber heißt, dass jeder zwar so lange tun und lassen kann, was er möchte, solange er damit keinen anderen stört. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass jeder seine Mitmenschen so behandelt, wie er selbst auch behandelt werden möchte – und sich dabei nicht a priori im Recht fühlt, sondern sein Handeln immer wieder selbst in Frage stellt.

Dann wird es auch nicht notwendig sein, immer mehr Gesetze zur Regulierung des zwischenmenschlichen Zusammenlebens zu schaffen.

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