Unselige Verstrickungen

Der Besuch des Papstes in Kalabrien und seine Aussage, „jene, die in ihrem Leben dem Pfad des Bösen in solch einer Form folgen wie es die Mafiosi tun, leben nicht in Verbundenheit mit Gott. Sie sind exkommuniziert.“, ist mehr als nur ein einseitiger Ausschluss. Es ist auch ein Appell an die Kirche selbst, sich nicht auf die Machenschaften der Mafia einzulassen – scheint es doch immer wieder üblich zu sein, dass Priester und Mafiabosse ein gutes Verhältnis pflegen. Auch für die Mafia ist die Exkommunikation nicht bloß ein verbaler Akt, denn sie empfinden sich zu großen Teilen als tief religiös, verkleiden ihre verbrecherischen Handlungen hinter frommen Worten und lassen hohe Spendengelder fließen.

Es ist durchaus mutig, sich gegenüber der Mafia so eindeutig zu positionieren – diejenigen, die in ihr Visier gerieten, leben seitdem gefährlich oder bereits nicht mehr.

Die Frage nun ist, wie der Mafia tatsächlich Einhalt geboten werden kann – von seiten der Politik genauso wie von Seiten der Kirche. Zuerst einmal müssen natürlich die Verstrickungen von Politikern und Priestern aufgedeckt und in der Folge geahndet werden, vor allem Spenden dürfen nicht angenommen werden. Tiefgreifende Veränderungen werden sich aber nur erzielen lassen, wenn die Gesellschaftsstruktur sich ändert: Die Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und Armut von jungen Menschen in vielen Gebieten Europas verleitet natürlich dazu, sich der Hoffnung hinzugeben, auf diese Weise zu Reichtum zu gelangen. Kirche und Politik können hier zusammenarbeiten, indem sie Familien finanziell und sozial unterstützen, Jugendzentren stärken, Bildung fördern und auf diese Weise Perspektiven schaffen.

Es wird kein kurzer Weg sein, aber wahrscheinlich der einzig Wirkungsvolle.

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