Was uns keiner nehmen kann, ist unser Geist. Er ist unser Kapital.

Mit erst 54 Jahren starb heute, am 12. Juni 2014 Frank Schirrmacher, Essayist, Kulturkritiker und Mitherausgeber der FAZ.

Die ersten Nachrufe sind bereits geschrieben, es sind ausführliche Nachrufe, die sich auch kritisch mit dem Menschen Schirrmacher beschäftigen, aber einhellig seine umfassende intellektuelle, vielseitige und intensive Denkweise hervorheben. Es wird deutlich, dass der Verlust für Kultur und Intelligenzia Deutschlands und der Welt noch nicht fassbar ist. Die taz beispielsweise schließt ihren Nachruf bewegend schlicht mit den Worten: „Die taz trauert“. Besonders eindrücklich jedoch fand ich dieses Zitat, welches er bei einer der Redaktionssitzungen gesagt haben soll: „Was uns keiner nehmen kann, ist unser Geist. Er ist unser Kapital. Also seien Sie selbstbewusst!“

Dieser Satz ist aus mehreren Gründen so imposant – spiegelt er doch die Grundhaltung Schirrmachers, die in seinen Artikeln, Texten und Büchern zu lesen ist. Vor allem aber steht dieser Satz in krassem Gegensatz zu dem sonst sehr stark verbreiteten kapitalistischen Gedanken, der uns weismachen will, je mehr messbares Kapital vorhanden ist, desto größer sei der Wert eines Menschen. Hierbei geht es allerdings meist um das schnelle Kapital – das Kapital, das Schirrmacher anspricht, ist jedoch nicht schnell zu erwerben: Es muss mühsam erarbeitet werden, bedarf der ständigen Reflexion und ist angewiesen auf offenen Austausch – ja, es wächst sogar, je mehr man davon mit seiner Umwelt teilt.

Der Wert dieses Kapitals ist unermesslich – die Hinterlassenschaft Schirrmachers mit all seinen Werken,  Gedankenanstößen und kritischen Hinterfragungen ist es auch.

 

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2 Gedanken zu “Was uns keiner nehmen kann, ist unser Geist. Er ist unser Kapital.

  1. Es wäre schön und würde uns in allen Bereichen des Lebens weiterbringen, wenn der Geist, das Wesen jedes Einzelnen, das Sein grundlegend und gesamtgesellschaftlich stets als unser wichtigstes Kapital verstanden und vermittelt werden würde.

    • Ja, das wäre es tatsächlich und müsste bereits in der Kinderkrippe beginnen. Eine Diskussion um G8 oder G9 ist dabei völlig unerheblich, denn diesen Geist zu vermitteln liegt nicht an der Dauer der Schuljahre…

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