Die Gewaltigen handeln mit Geld, die Schwachen mit Recht

Morgen, am 12. Juni 2014 beginnt die Fußball-WM in Brasilien. Die Freude darauf ist durchaus vorhanden, die Spannung in Deutschland ob der vielen gesundheitlichen Komplikationen einiger deutscher Spieler im Vorfeld der WM auch. Doch nicht nur in Deutschland – überall fiebern viele Millionen Menschen für ihre Teams – und bei diesem Fiebern sind sie alle gleich: Ob arm, ob reich, ob groß, ob klein, ob alt, ob jung, ob dick oder dünn, weiss oder braun – egal also, woher jemand kommt – sie alle auf allen Kontintenten und in allen Ländern der Erde liegen sich in den Armen und feiern gemeinsam die Siege der jeweiligen Mannschaften und betrauern das Verlieren. Genau das ist das Wunderbare am Fußball, genau das ist das Magische.

Kritische Stimmen gibt es allerdings auch – dieses Mal waren sie besonders laut – zum Einen wegen der Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit Katar und zum Andern wegen vieler Unruhen im Gastland, die seit mehr als einem Jahr anhalten. Zu groß ist die soziale Ungerechtigkeit im Lande, zu intransparent ist der Geldfluss aus und in die Steuerkassen und zu viele Menschen sind mit ihrem wenigen Hab und Gut existenziell durch Umsiedlungen und „Ordnungsmaßnahmen“ bedroht. Zudem hat sich in Brasilien in den letzten Jahren ein starker Mittelstand entwickelt, der sich hier jedoch nicht ernst genommen fühlt.

Bereits bei der WM in Südafrika war ganz deutlich, dass der größte Gewinner des Wettbewerbes nicht Spanien war, der als Turnier-Sieger hervorging. Auch nicht Südafrika selbst, das sich eine Ankurbelung der Wirtschaft erhofft hatte. Nein, der größte Gewinner war die FIFA.

In ihrem Finanzbericht für das Jahr 2013 (http://de.fifa.com/mm/document/affederation/administration/02/30/12/07/fifafr2013de_german.pdf) ist die Rede von einem Überschuss von 72 Mio. USD, wodurch die Gesamtreserven der FIFA sich auf „1432 MUSD“ erhöhen. Mit MUSD sind Millionen US-Dollar gemeint – die Zahl klingt gar nicht so riesig. In Wirklichkeit jedoch sind es knapp 1,5 Milliarden US-Dollar, die an sich auch so genannt werden könnten und nicht hinter dem Wort „Millionen“ versteckt werden müssen. Dieses Geld also hat die FIFA zur freien Verfügung, es ist das, was nach Abzug aller Ausgaben in den letzten Jahren übrig blieb.

Die Aufteilung der Ausgaben ist hierbei interessant. Über 20 % der Ausgaben der FIFA gehen in Personal- und Managementkosten (inkl. Reisekosten u.ä.), hingegen nur 14 % in soziales Engagement, worunter allerdings vor allem die Unterstützung der Mitgliedsverbände wie dem DFB fällt (was mehr als 54 % davon ausmacht).

Es wäre langsam angebracht, bei der FIFA umzustrukturieren. Ein Verband, der solche Massen an Geld zur Verfügung hat und von diesem Geld nach allen Abzügen 1,5 Milliarden USD übrig hat, kann mehr leisten an sozialem Engagement. Er könnte beispielsweise den Stadienbau stärker finanziell unterstützen und die sportliche Jugendarbeit in den Armenvierteln der Austragungsorte fördern. Er könnte den Ausbau der Infrastruktur unterstützen, von der dann nach der WM das Land tatsächlich profitieren könnte. Und er könnte einen Teil der Tickets so günstig verkaufen, dass die Einheimischen sich wenigstens einen WM-Besuch leisten könnten.

Von der groß geschriebenen „Sozialen Verantwortung“ auf der Website der FIFA bleiben am Ende sonst weiterhin nur mickrige 5 % des Gesamtetats für tatsächliche soziale Projekte übrig.

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