Vom störenden „Zwischenfall“

Zwischenfall vom 4. Juni wir das Tian’anmen-Massaker im chinesischen Sprachraum genannt – wenn es überhaupt genannt wird, denn es ist dort weitgehend aus dem Gedächtnis verbannt.

Die Welt jedoch hat es nicht vergessen und erinnert heute, 25 Jahre nach der gewaltsamen Niederschlagung des Volksaufstandes daran, dass Tausende Menschen mit dem tiefen Wunsch nach einer Demokratisierung des Landes damals auf die Straßen gingen und auch den Platz des himmlischen Friedens besetzten. Voraus ging eine tatsächliche Lockerungspolitik, die eben diese Hoffnung der Studenten und anderen Bürger auch nährte. Am 4. Juni 1989 jedoch wurde jegliche Hoffnung zunichte gemacht – das Blatt wendete sich dramatisch. Zu Tode kamen damals Tausende – und diejenigen, die heute dieser Toten gedenken wollen, müssen mit strengen Strafen rechnen. Für die restliche Welt unvergessen wird das Bild des Tank Man bleiben – dem Mann, der sich allein auf die Straße stellte und versuchte, die Panzer aufzuhalten: http://www.youtube.com/watch?v=qq8zFLIftGk

Nach 1990 geborene Chinesen hören von diesen Vorfällen im Ausland oft erstmals davon und schwanken dann zwischen Entsetzen und dem festen Glauben, dass das Ausland lügt. Die Geschichtsschreibung schreibt also tatsächlich nicht zwingend Geschichte, sondern das, was Machthaber als Geschichte sehen wollen. Jegliche Worte, die mit dem Volksaufstand in Verbindung gebracht werden können, unterliegen seitdem der Zensur. Dass dies auch in Zeites des Internets gelingt, ist verwunderlich und erschreckend zugleich.

Doch was bedeutet dies tatsächlich für China heute? Die Zeit des 4. Juni und der Tage danach ist eine Zäsur, die zwar weitgehend aus den Köpfen gelöscht wurde. Die Narbe aber bleibt, denn sie hat die chinesische Gesellschaft tiefgreifend verändert. Alle Hoffnung auf ein anderes China wurde vernichtet, die Repressionen sind schlimmer denn je. Diejenigen jedoch, die spuren, können ein wirtschaftlich gesichertes und angenehmes Leben führen. Dass ihnen der unermesslich hohe Preis, den sie dafür zahlen mussten, nicht bewusst wird, dafür sorgt die Regierung und schürt damit Opportunismus und Resignation.

Die Welt selbst aber wandelt sich – wir stehen allgemein heute vor Problemen und Tatsachen, die man vor 25 Jahren so noch nicht absehen konnte: Die globalisierte Wirtschaft einerseits lässt sich dauerhaft (hoffentlich) nicht von geistigem Austausch trennen. Die Umweltkatastrophen und der Klimawandel, mit dem wir zu kämpfen haben, spüren alle Menschen gleichermaßen. Gerade in China aber sind die Auswirkungen verheerend – zu lange wurden jegliche Bedenken ignoriert und Gifte in Seen und Flüsse geleitet und Abgase in die Luft. Ob das kommunistische Regime sein Volk weitere 25 Jahre auf allen Gebieten so belügen kann, ist nicht vorherzusehen und bleibt nicht zu hoffen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s