Willkommen in Europa – vom Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
UN-Menschenrechtscharta vom 10. Dezember 1948, Art. III

Im Zeitraum zwischen Januar und April 2014 sind laut Frontex über 42.000 Menschen bei dem Versuch der illegalen Einwanderung in das Gebiet der EU erwischt worden – also etwa drei mal mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2013. Die zunehmend unmenschlichen Situationen in den Herkunftsländern treiben die Menschen vermehrt nach Europa. Vor allem aus Syrien fliehen Tausende, aber auch aus Staaten wie Eritrea, welches sich seit Jahren auf dem letzten Platz der Rangliste der Pressefreiheit findet – was zweifelsohne die Lebensumstände dort erahnen lässt.

Verzweifelte Menschen zahlen ihr ganzes Erspartes und oftmals das des gesamten Heimatdorfes an Schlepperbanden und geben damit neben ihrem Geld auch ihr Leben in deren Hände. „Wie die Geschichte der letzten Jahre zeigt, erreichen zwölf Prozent der Menschen, die von Libyen oder Tunesien aufbrechen, Europa nicht. Zwölf Prozent kommen auf der Überfahrt um. Einige gehen über Bord. Einige werden ins Meer geworfen. Wieder andere verhungern und verdursten (…)“, schreibt der italienische Journalist Fabrizio Gatti in seinem Buch „Bilal“, in dem er seine Reise als Illegaler vom Senegal nach Lampedusa schildert. „In Agadez wissen alle, was in der Sahara passiert“, sagt einer seiner Mitreisenden. Und welche Gefahren die Überfahrt über das Mittelmeer in rostigen Kähnen birgt, ist ebenfalls bekannt – die Bilder der unzählbaren Reihen von Särgen in Lampedusa vom Oktober 2013 sind uns allen noch in den Köpfen.

Dass sich diese Menschen trotzdem auf den Weg machen – unter unvorstellbaren Bedingungen und mit dem Wissen um die Gefahr, unter den 12 Prozent zu sein, die Europa nie erreichen – macht deutlich, wie unmenschlich die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern sein müssen. Die Dublin-III-Verordnung, die im Juli 2013 inkraft trat und die Dublin-II-Verordnung ablöste, wird letztlich ebensowenig der individuellen Lebenssituation der Flüchtlinge gerecht wie die davor geschlossene Verordnung. Die Mittelmeerstaaten sind überfordert – sie fordern eine Reform, in der eine gerechtere Verteilung der Asylsuchenden über die EU festgelegt wird. Hiergegen wehrt sich unter anderem Deutschland vehement – schließlich wären zwei Drittel der beispielsweise syrischen Flüchtlinge hier aufgenommen worden.

Angesichts unserer Wirtschaftskraft und unseres (uns unverdient zuteil gewordenen!) Glückes, in diesem Paradies geboren worden zu sein – in dem wir frei leben können, ein relativ stabiles soziales Netz haben, Ausbildungschancen und damit eine Lebensperspektive – ist diese Ausrede etwas mickrig!

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