Le rouge ou le noir?

Gut acht Wochen nach der Stadtratswahl in München und sechs Wochen nach der Stichwahl-Entscheidung über den Nachfolger von Christian Ude sind nun weitere Koalitionsverhandlungen, diesmal zwischen SPD, CSU und Grünen, geplatzt – eine Entscheidung über die Regierungskoalition steht also weiter aus.

Im roten München – mitten im tiefschwarzen Bayern – hat letztlich seit 1948 mit einigen wenigen Ausnahmen die SPD die Mehrheit der Stadtratssitze inne. Diese Wahl im März 2014 allerdings ging sehr knapp zugunsten der CSU aus, die aber aufgrund von schwachen Koalitionspartnern keine Regierung bildet. Die SPD hätte mit den Grünen einen recht starken Partner, bräuchte aber für eine wirkliche Mehrheit weitere Partner. Es bleibt also – nachdem sich die Parteien gestern nicht einig wurden – völlig offen, wer in Zukunft München regiert und wer in der Opposition sitzen wird. Zumindest Dieter Reiter konnte sein Amt als Oberbürgermeister am 1. Mai bereits antreten, auch wenn er noch nicht weiss, wie diese seine Regierung aussehen wird.

Die Problematik bei der Regierungsbildung spiegelt die Problematik, vor der München selbst steht: Eine Stadt, in der zu leben für viele begehrenswert erscheint – immerhin bietet München einen höchst seltenen und wertvollen Mix aus Urbanität und Natur, viel Kultur, ein breites Freizeit- und Sportprogramm und dazu ein einmaliges Flair. München ist aber auch eine Stadt, die sich viele nicht mehr leisten können – die Mieten steigen immer weiter, die sonstigen Lebenshaltungskosten bewegen sich ebenfalls im oberen Bereich und dazu kommt, dass der Mangel an Kinderbetreuungsplätzen für viele Familien ein deutliches Hindernis darstellt. Die Hoffnung in die neue Regierung birgt also viele Anforderungen: Schaffung von günstigem Wohnraum, ein Stopp der Gentrifizierung, Ausbau der Kitas und des öffentlichen Nahverkehrs sowie den Erhalt des vielen Grüns – um welches wir von anderen Großstädtern immer wieder beneidet werden.

Vor allem aber ein Punkt ist zudem wichtig: Der Erhalt des sozialen Münchens, welches viel Geld in soziale Projekte steckt und damit in eine Zukunft investiert, die auf die Ausbildung von jungen Menschen verschiedenster Herkunft und auf die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen setzt. Dieses soziale München macht München erst zu einem bunten und lebenswerten Ort, den es unbedingt zu erhalten gilt. Hoffen wir also das Beste…

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