„Es gibt immer noch Diskriminierung – aber wenigstens ist die nicht mehr legal“

Südafrika hat gewählt. Ein paar Monate nach dem Tod eines der größten Männer der Geschichte steht Südafrika vor dem Erbe, das Mandela hinterlassen hat. Der ANC, der seit 1994 an der Macht ist, seit 2009 unter Jacob Zuma, wird wahrscheinlich auch diesmal die Wahl gewinnen, zumindest liegt er nach den bisherigen Auszählungen der Stimmen klar vorn.

Damals, als Nelson Mandela das Angebot seiner Freilassung ablehnte, weil er es nur unter der Bedingung einer Änderung des Systems annehmen wollte, kämpften mit ihm auch viele andere Südafrikaner und ANC-Mitglieder für ein Südafrika der Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Mandelas Politik der Versöhnung, die die Zeit nach der ersten freien Wahl vor 20 Jahren prägte, war ein eindeutiger Weg in genau diese Richtung.

Das Apartheidsregime ist abgeschafft – jedoch bestehen viele der Dinge, gegen die Mandela und der ANC ihr Leben lang gekämpft haben – die soziale Ungerechtigkeit, eine fehlende Gesundheitspolitik und vieles mehr – fort. Und es besteht auch die Diskriminierung fort, wie es Qamran Tabo, eine junge Informatik-Studentin aus Kapstadt, gegenüber der SZ formulierte. Die Gesundheitspolitik, vor allem die Aidspolitik, die zwar umgesetzt wurde und Besserungen mit sich brachte, wird dennoch vielfach kritisiert, denn die Lebenserwartung sank deutlich innerhalb der letzten Jahre. Korruption und Kriminalität sind weitere große Probleme, mit denen Südafrika nicht fertig wird.

Jacob Zuma selbst wurde während seines politischen Werdegangs, den er viele Jahre an der Seite von Nelson Mandela zurücklegte, immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert: ein Vergewaltigungsvorwurf 2005, wiederholte Korruptionsvorwürfe – vor allem die hohen Kosten für sein Anwesen stehen in der Kritik, da er sie letztlich nicht allein tragen kann – und Vorwürfe im Zusammenhang mit seinem Weg an die Spitze des ANC. Die gemeinsame Geschichte von Mandela und Zuma ist allerdings keine Geschichte der Freundschaft – dabei war auch Zuma auf Robben Island inhaftiert und seit Beginn der 60er Jahre Mitkämpfer des ANC. Dennoch hat Mandela dessen Weg mit Skepsis verfolgt. Jacob Zuma scheint heute seine Ziele von damals vergessen zu haben, auch wenn er das Wahlprogramm 2014 des ANC Nelson Mandela gewidmet hat. Vor allem für Bildung, Gesundheit, Ernährungssicherheit, Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze sowie den Kampf gegen Gewaltkriminalität und Korruption möchte er sich in der nächsten Legislaturperiode einsetzen. Er hat sich also viel vorgenommen für die kommenden 5 Jahre – wenn er mit dem ANC 2019 erneut gewählt werden will, sollte er alles daransetzen, davon so viel wie möglich auch umzusetzen.

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2 Gedanken zu “„Es gibt immer noch Diskriminierung – aber wenigstens ist die nicht mehr legal“

  1. „Ein paar Monate nach dem Tod eines der größten Männer der Geschichte steht Südafrika vor dem Erbe, das Mandela hinterlassen hat.“ Darf ich diesen Satz mit einem Fragezeichen versehen? Aus meiner Sicht ist Nelson Mandela deutlich weniger heilig als es westliche Medien glauben lassen möchten. Das gilt zumindest dann, wenn man davon ausgeht, dass der Mensch auch vor seiner Geburt ein Mensch ist.

    Thomas Tobin, der Bischof von Providence im US-Bundesstaat Rhode Island, hat es wie folgt formuliert: Wir bedauern, dass Mandelas vornehmer Einsatz für die Würde des Menschen die jüngsten Mitglieder unserer menschlichen Familie nicht eingeschlossen hat, die ungeborenen Kinder“ (vgl. http://www.kath.net/news/44079). Seitdem Nelson Mandela im Jahr 1996 eines der „liberalsten“ Abtreibungsgesetze der Welt unterzeichnete, sind in Südafrika nach offiziellen Angaben fast eine Million Ungeborene getötet worden.

    Glaubt man Martin Lichtmesz (http://www.sezession.de/42758/das-wahre-erbe-des-nelson-mandela.html), werden in westlichen Medien viele weitere Schattenseiten des Lebens Mandelas verschwiegen. Man will einen modernen Heiligen. Man möchte einen schönen Mythos. Die Schattenseiten, und gerade den einen großen Schatten der westlichen Welt, die Tötung ungeborener Kinder, lässt man da schon mal diskret unter den Tisch fallen.

    • Heilig ist er sicherlich nicht – aber er hat (und das ist einfach unglaublich selten) für seine tiefsten Überzeugungen, die Frieden, Versöhnung und Menschenwürde waren – im Gefängnis gesessen und diese auch nach jahrzehntelanger Haft seinen Genossen abverlangt. Die massive Korruption und Diskriminierung im heutigen Südafrika sind nicht in seinem Sinne und stehen dem ursprünglichen Ansinnen des ANC stark entgegen! Menschen, die für ihre Überzeugungen so einstehen und dafür persönliche massive Einschränkungen in Kauf nehmen, sind schon etwas Besonderes!

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