Nirgendwo in Afrika

„Chronik des Versagens“ hieß der Artikel in der SZ vom 6. April 2014. Er war geschrieben worden zum 20. Gedenktag des Genozids in Ruanda. Der Verlauf des Versagens heute im Südsudan erinnert an den Verlauf der Gräueltaten 1994 in dem ostafrikanischen Staat. Im heutigen Südsudan suchen die Menschen Zuflucht in einer Moschee. Damals suchten sie Zuflucht in einer Kirche. Beide Male half ihnen das Refugium in einem Gotteshaus nicht. Damals war es der Völkermord der Hutu an den Tutsi – heute geht es um den Hass und die Wut zwischen Dinka und Nuer, welcher so groß ist, dass er durch nichts gebremst oder gemildert wird. Die wirtschaftliche Not, in der das gesamte Volk dieses noch so jungen Staates steckt, tut ihr Übriges.

Am 24. Dezember 2013 wurde die Entsendung von weiteren 5.500 Blauhelmsoldaten durch die UN beschlossen. Es sollten somit insgesamt 12.500 Soldaten für die Sicherheit der Bürger sorgen. Angekommen sind von den 5.500 bisher 800. Auch Deutschland ist beteiligt und hat ein Mandat mit einer Obergrenze von 50 Soldaten – von denen allerdings bisher nur 15 vor Ort sind.

Woran liegt es, dass uns die Massaker in Afrika kaum berühren? Es scheint, als wäre uns dieser Kontinent egal, nachdem die Kolonialzeit eher unrühmlich zu Ende ging. Ausreden gibt es viele: Es würde schon über die Maßen viel getan, für mehr fehlen uns die Kapazitäten, wir leisten humanitäre Hilfe und und und. Fakt ist: Es reicht nicht! Die Soldaten dort können dem Konflikt mit den vorhandenen Mitteln nichts entgegensetzen. Und Fakt ist auch, dass das Mandat – das Gesamt-Mandat und das Mandat Deutschlands – nicht ausgeschöpft ist!

Auch damals verfolgte der gesamte Westen das Geschehen mit Unglauben und Entsetzen – in den Konflikt hineingezogen werden wollte dennoch niemand. Schätzungen der UN im April 1994 zufolge wurden damals 200.000 Menschen ermordet. Es stellte sich heraus, dass es mehr als 800.000 waren.

Zum 10jährigen Gedenktag am 7. April 2004 veröffentlichte der damalige Generalsekretär der UN, Kofi Annan, eine Erklärung, in der er an die Katastrophe erinnerte. Er hob hervor, dass die Weltgemeinschaft den Vorboten dieser Katastrophe nicht ausreichende Aufmerksamkeit schenkte und damit 800.000 Frauen, Männer und Kinder im Stich gelassen hatte. Er sagte in seiner Erklärung, er „hoffe, dass diese Schweigeminute eine Botschaft ist, die jahrelang widerhallt, eine Botschaft der Reue für die Vergangenheit und der Entschlossenheit für die Zukunft, damit eine solche Tragödie nie wieder geschieht. Mögen die Opfer des Völkermordes in Ruanda in Frieden ruhen. Möge unser Leben durch ihr Opfer nachhaltig verändert worden sein. Und mögen wir alle jenseits dieser Tragödie für mehr Menschlichkeit in der Welt arbeiten.“

Seine Hoffnung scheint nicht in Erfüllung zu gehen.

(Link zur Erklärung: http://www.unric.org/de/pressemitteilungen/2036)

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4 Gedanken zu “Nirgendwo in Afrika

  1. Sehr gut zusammen gefasst und wirklich ein Thema, dem nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt wird. Vielen Dank dafür!

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