Journalismus

Ein Journal ist ursprünglich ein Adjektiv, das sich vom französischen Wort jour ableitet und zufügt: jeden einzelnen Tag betreffend. Konsequenterweise wurde daraus im 15. Jahrhundert eine Nachricht über die täglichen Ereignisse.

Ganz grundsätzlich kann man also Journalismus als Basis eines täglich sich neu entfachenden Diskurses sehen, der, indem er die Welt mit sachlichen Informationen über Sich-Ereignetes versorgt, weitere Gedanken und Entwicklungen anregt. Im Pressekodex des deutschen Presserates von 1973 sind dazu 16 Grundregeln entstanden, deren erste drei Regeln sich letztlich genau darauf beziehen: Punkt eins nennt mit der Achtung der Wahrheit und der Wahrung der Menschenwürde das oberste Gebot der Presse. In der Folge – um die Wahrhaftigkeit zu wahren – wird in Punkt zwei die Sorgfaltspflicht genannt. Nicht nur eine gründliche Recherche ist zwingend erforderlich, auch die Nennung von nicht Bestätigtem ist dabei unumgänglich. Falls hierbei Fehler unterlaufen sind, sind diese laut Punkt drei unverzüglich richtigzustellen.

Rein sachlich kann es jedoch im Journalismus kaum zugehen, denn – wie Heidegger sagte – ist „alles sinnende Denken ein Dichten„. Mit der Wahl unseres Mediums entscheiden wir uns, welchen Journalisten und welche Publikationen wir für uns sozusagen „dichten“ lassen. Um ein wirklich umfangreiches Bild zu bekommen, wäre es notwendig, mehrere Medien zu Rate zu ziehen – doch auch dann können bestimmte Aspekte auf der Strecke bleiben oder die Meinungsbildung der Leser könnte trotzdem zu stark manipuliert worden sein.

Wir – Journalisten, Blogger, Leser, Radiohörer… – bewegen uns nun tagtäglich auf genau diesem schmalen Grat. Auf der einen Seite stehen die sachlichen Informationen, die jedoch bereits durch den Schreiber und seine seinem Wesen immanente Sichtweise entstanden sind – und auf der anderen Seite steht die Rezeption, die ebenfalls durch des Lesers wesensimmanente Lesart und seine Lebenserfahrungen verschieden aufgenommen und verarbeitet wird.

Die Macht des Schreibens besteht also darin, den Leser unbewusst in eine bestimmte Denkrichtung zu lenken. Der Leser wiederum hat die Möglichkeit, dieser Denkrichtung zu folgen, oder sich darin zu üben, Gelesenes zu hinterfragen und selbst zu entscheiden, wem er zu folgen gedenkt.

Und das genau ist der Kern von wirklich gutem Journalismus: So zu schreiben, dass dem Leser Luft bleibt, Gedanken aufzugreifen, selbst weiterzudenken oder die Richtung zu wechseln – und dabei dennoch eine gewisse Richtung vorzugeben. Denn Menschen brauchen Wegweiser: Um herauszubekommen, welche Wege es überhaupt gibt. Damit sie – vielleicht auch, nachdem sie immer wieder einen für sie nicht richtigen Weg eingeschlagen haben – herausfinden können, welcher Weg der Richtige sein könnte. Dies ist die Voraussetzung dafür, sich überhaupt eine eigene Meinung bilden zu können.

 

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