Die Quote die ich rief…

Mehr Erfolg, mehr Macht, mehr Geld – TAZ vom 26. März 2014

Der Aufschrei ist groß – und das seit Jahren: Herr hilf, die Quote kommt! Die Wirtschaftsbosse reagieren, als handele es sich um eine die Apokalypse unweigerlich heraufbeschwörende Forderung, als würde man sie verpflichten, behäbige und gemeingefährliche Gorillas anstelle von gut bzw. sehr gut qualifizierten Frauen einzustellen.

Fakt ist doch: Es geht darum, sich bei gleicher Qualifikation von zwei Bewerbern zu verpflichten, eine Frau einzustellen – wohlgemerkt: bei GLEICHER Qualifikation. Und Fakt ist auch: Deutschland liegt auf dem Gebiet der Geschlechtergerechtigkeit weit hinter anderen EU-Ländern. Wir haben zwar eine Kanzlerin, aber auch diese sieht offensichtlich keinen Handlungsbedarf. Zwar kann man über das Werkzeug der Quote möglicherweise diskutieren, denn sie betrifft ja vorerst nur die Spitzenpositionen von DAX-Unternehmen. Allerdings würde dies möglicherweise zur Konsequenz haben, dass verkrustete Männerbündnisse unseres Arbeitsmarktes sich immer weiter auflösen würden. Eine andere Möglichkeit wäre, die Frage von einer ganz anderen Seite her aufzurollen: Gut bezahlte und gut qualifizierte Erzieherinnen und in der Folge eine Garantie für Krippenplätze, so dass eine Frau, die Kind und Karriere vereinbaren möchte, das auch tun kann. Ausbau von Heimarbeitsplätzen, die eine flexible Arbeitseinteilung ermöglichen. Und eine Förderung der Elternzeit auch bei den Vätern – ohne dass sie als Weicheier verlacht werden und ihre Karriere einen deutlichen Knick bekommt.

Eine Kombination von beidem wäre sinnvoll und wichtig, denn Deutschland verschwendet Kapital. Es lässt seine Söhne und Töchter jahrelang studieren, stellt aber dann nur die Söhne ihrer Qualifikation gemäß ein. Die Töchter bleiben im Dienstleistungssektor, verdienen weniger und kommen nicht von der Stelle. Ihr Potential wird verspielt und Frustration macht sich breit. Die ökonomischen Auswirkungen der psychischen Belastung, die mit der geistigen Unterforderung einhergehen, sind nur eine Frage der Zeit.

Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Wenn wir ein offenes Land sein wollen, das seinen Bürgern und Einwanderern Perspektiven bieten will, das von dem Potential seiner Bürger profitieren will und demografisches und wirtschaftliches Wachstum haben möchte, dann können wir nicht dort stehen bleiben, wo wir jetzt sind. Wir müssen die Bereitschaft entwickeln, uns auf Neues einzulassen, anstatt an „Altbewährtem“ festzuhalten. Wir müssen uns öffnen für Lebensläufe, die nicht langweilig geradlinige Stationen abarbeiten – kurzum: Wir dürfen nicht nur die ersten Zeilen lesen, sondern müssen auch die darauf folgenden beachten, um zu entdecken, was die Menschen zu bieten haben. Und dies muss die Grundlage dafür sein, wer eingestellt wird und nicht das Geschlecht und der Name.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s